„Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Weshalb werde ich immer noch auf meinen Migrationshintergrund reduziert?“, fragt mich Gülsüm Serdaroğlu.  „Weshalb bin ich für die Deutschen immer noch die Türkin, wenn ich doch sowohl türkisch als auch deutsch bin?“

Seit den frühen Sechzigern leben türkische Familien in der Bundesrepublik. Damals noch als Gastarbeiter für den Wiederaufbau Deutschlands gefeiert, sei man ihrer schnell überdrüssig geworden. „Wie, die bleiben noch?“, mimt Gülsüm einen ihrer Meinung nach ‚alten Deutschen‘. Seit dem habe man mehr oder weniger in Frieden nebeneinanderher gelebt.

Dann kamen die Terrorangriffe auf das World Trade Center und hier in Deutschland die Morde an türkischen Menschen durch NSU-Mitglieder. „Seit dieser Zeit stagniert das Verhältnis zwischen Deutschen mit deutschem Stammbaum und Deutschen mit türkischer Migrationsgeschichte nicht nur – es wurde nachhaltig gestört“, erklärt Gülsüm.

Während beide Seiten nun immer wieder betonten, wie schlecht es ihnen doch mit den anderen gehe, habe sie die Chance genutzt, um aufzuzeigen, dass es auch Menschen gebe, die sich mittlerweile emanzipiert hätten. „Wir sehen unsere verschiedenen kulturellen Hintergründe nicht als Hindernisse, sondern als Bereicherung für eine neue, deutsche und bunte Generation.“ So sei der Dokumentarfilm ‚Die neuen Deutschen – Über Menschen, Kulturen und Identität‚ entstanden.

Deutschland sei bunt in seiner Vielfalt und seiner Kulturen. Insbesondere in der Metropolregion Rhein‐Neckar haben sich eine Fülle an unterschiedlichen, gleichberechtigten und einander achtenden Menschen zusammengefunden, erzählt die Wörther Medienwissenschaftlerin. Sie habe sich daher bewusst dafür entschieden, die Geschichten von Menschen zu erzählen, die hier geboren wurden oder seit Jahrzehnten hier leben.

Premiere im Oktober

In der Dokumentation wolle sie die Fragen nach der Begrifflichkeit „Migrationshintergrund“ beantworten und mit ihren Protagonisten darüber zu sprechen, wie es ist, von der Mehrheitsgesellschaft nur schwerlich als Deutscher wahrgenommen zu werden. „Meine Interviewpartner berichten von ihren Träumen und Wünschen, ihren Gedanken über das Leben und Sterben. Es geht um das Zusammenspiel ihrer ethnischen Differenz und kulturellen Diversität.“, sagt Gülsüm. Sie ist voll im Thema.

Es ist August und ich möchte von ihr wissen, wie weit sie mit ihrem Film ist. „Es läuft sehr gut. Wir sind schon in der Postproduktion. Das heißt, der Film wird wie geplant am 25.10. in Mannheim uraufgeführt“, sagte sie mir, ohne auch nur zu versuchen, ihre Freude darüber zu unterdrücken. 100 Minuten wolle sie zeigen, mehr Zeit habe man für einen Dokumentarfilm nicht, sagte sie. Material habe sie für insgesamt drei Stunden.

Wir verabschieden uns und ich habe das Gefühl, ein Stück gewachsen zu sein. Das war sicher nicht das letzte Mal, dass ich Gülsüm getroffen habe.

 

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